Folge 2) / Juni 2021

„Rückblende“

 

Folge 2) / Juni 2021

 

Der SV Borussia 08 Neuenhaus möchte an dieser Stelle an sein ehemaliges jüdisches Vereinsmitglied Johann van Coevorden und dessen von den Nationalsozialisten ermordete Familienangehörige erinnern.

Der SV Borussia 08 steht als Verein

und wichtige gesellschaftliche Institution in Neuenhaus

für Vielfalt und Toleranz und

gegen Rassismus und Antisemitismus.

 

Vor 80 Jahren:

 

Am 30. Juni 1941 verstirbt in Enschede/NL Johann van Coevorden, der auf der Mitgliederliste des SV Borussia 08 Neuenhaus vom 15. Januar 1933 als laufende Nummer 17 verzeichnet ist.

 

Johann van Coevorden ist bis heute das einzige jüdische Borussia-Mitglied, von dem wir wissen.

 

Johann van Coevorden heiratet 1913 in Neuenhaus Caroline Serphos (geboren 1888 in Neuenhaus), auch seine Ehefrau ist jüdischen Glaubens (die Väter der beiden, Jonas van Coevorden und David Serphos, ruhen auf unserem Jüdischen Friedhof hier in Neuenhaus).

Johann und Caroline van Coevorden bekommen in Neuenhaus vier Töchter:

Wilhelmine Johanna van Coevorden (genannt „Mieze“, geb. 1915),

Johanna Dina van Coevorden (genannt „Dini“, geb. 1916),

Johanna Hendrica van Coevorden (genannt „Hanni“, geb. 1921),

Jenny van Coevorden (geb. 1926; sie wird nur 12 Tage alt).

 

Die Familie wohnt seinerzeit in der Wallstraße Nr. 1 (= heute Wallstraße Nr. 2).

Aus dem Jahr 1934 liegt ein Jahrgangsfoto der evangelischen Volksschule Neuenhaus vor, auf dem Johann van Coevordens Tochter Hanni zu sehen ist.

Ende des Jahres 1934 zieht die Familie von Neuenhaus nach Nordhorn (Pestalozzistraße 35). Im Oktober 1935 flieht sie nach Holland (Enschede, Veenstraat 430).

1940 besetzt die deutsche Wehrmacht Holland, so dass nun auch dort kein jüdischer Bürger – sei er Niederländer oder Flüchtling – mehr sicher ist.

Johann van Coevorden stirbt am 30. Juni 1941 in Enschede an einer Krebserkrankung; seine Ehefrau Caroline wird am 25. Mai 1943 von den deutschen Besatzern ins KZ Sobibor deportiert und dort am 28. Mai 1943 ermordet.

Johann van Coevordens Schwägerin, die geistig und körperlich schwer behinderte Sophia Serphos (geb. 1891) wohnt bis 1924 bei der Familie von Schwager und Schwester in der Wallstraße, dann wird sie in die Heilanstalt Telgte eingeliefert. 1941 bringt man sie nach Holland in die Heilanstalt Eindhoven, von dort wird sie 1944 nach Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wird.

 

Für die Familie van Coevorden-Serphos wurden 2017 in Neuenhaus vom Künstler Gunter Deming in der Wallstraße in Anwesenheit verschiedener Nachkommen sog. Stolpersteine verlegt.

Zu einer Enkelin von Johann van Coevorden, Frau Caroline Jongman (einer Tochter von Hanni van Coevorden), besteht seit 2014 ein sehr freundschaftlicher Kontakt.

 

(N. Voshaar)